Seit
dem 06.12.1918 stand Euskirchen und Umgebung unter britischer
Besatzung, die ab dem 05.11.1919 durch französische Besatzung
abgelöst wurde.Trotz oder vieleicht auch wegen dieser
ungünstigen Rahmenbedingungen fanden sich ein gutes Dutzend
Sportinteressierte ein, die sich in ihrer Freizeit dem
Fußballsport widmen wollten.
Den
Vorsitz im Verein übernahm Peter Paul Schmitz. Als
Sportgelände dienten die Wiesen "Auf dem Spröng". Schon bald
entwickelte sich ein reger Spielbetrieb, da sich auch in zahlreichen
anderen Orten Fußballmannschaften gebildet hatten. Die
sportlichen Voraussetzungen zur Ausübung des Sports können
heute nur noch als sehr beschränkt bezeichnet werden. Feste
Torgehäuse gab es nicht, so dass Sonntag für Sonntag die
Torstangen zu den Spielen mitgebracht werden mußten.
Auswärtsspiele wurden zu Fuß besucht. Nur wenige
besaßen schon Fahrräder, die den Transport etwas
erleichterten. Von einem Sportfest in Sinzenich ist überliefert,
dass sie Stotzheimer Mannschaft mit einem geschmückten und
pferdebespannten Leiterwagen anreiste. Die Abfahrt war bereits am
Samstagnachmittag.
Hier einige Namen der ersten aktiven Stotzheimer Fußballer:
Matthias Rieve, Heinrich Rieve, Peter Rieve, Johann Rieve, Josef Schweinheim,
Heinrich Schweinheim, Toni Bürger, Jakob Bürger, Lorenz Bädorf, Josef Dünker,
Heinrich Dünker, Jakob Dünker, Josef Serger, Paul Höller, Cornelius Breuer,
Heinrich Liebertz, Johann Krämer, Josef Krämer, Josef Willms, Johann Spilles,
Willi Biermann, Heinrich Fuß und Jakob Bank.
Im
Laufe der Zeit wurde der Spielbetrieb besser organisiert. Bereits im
Jahre 1923 kam es zur Gründung des "Ländlichen
Spielverbandes". In Stotzheim wurde ein reguläres Spielfeld
geschaffen, das direkt an der Erft, im Bereich der heutigen
Neptunstraße lag. Nachteilige Konsequenz war der Umstand, dass es
immer wieder einmal zu Spielunterbrechungen kam, wenn ein Ball in der
Erft gelandet war und herausgefischt werden mußte. Vorallem bei
Hochwasser war das oft sehr mühselig und gelang manchmal erst in
Roitzheim.
Schon
damals wurden große Sportfeste gefeiert. So hatte der Verein im
Jahre 1925 zweiundzwanzig auswärtige Mannschaften zu Gast.
1926 trat der Verein dem Westdeutschen Spielverband bei.
Der
Spielbetrieb wurde in Klassen eingeteilt. Den Mannschaften wurden
dadurch Aufstiegsmöglichkeiten geboten, die den sportlichen
Wettbewerb noch reizvoller machten.
In
den Folgejahren konnte der Verein beachtliche Erfolge erzielen, sowohl
im Breich des Fußballs, als auch im Bereich der Leichtathletik,
die sich inzwischen als weitere Sportart dem Fußball hinzugesellt
hatte.
In geschichtlicher Hinsicht wird für die damaligen Sportler etwa
die Weltwirtschaftskrise im Jahre 1929 oder die Ernennung Hitlers zum
Reichkanzler im Jahre 1933 von Bedeutung gewesen sein. Als besondere
Ereignisse in der näheren Umgebung sind etwa das Erdbeben in
Euskirchen am 06.01.1926, die Eröffnung des städtischen
Freibades an der Erft am 03.06.1926, der Abzug der französischen
Besatzung am 30.11.1929 oder der Beginn der Bauarbeiten an der
Steinbachtalsperre am 01.02.1934 zu nennen. Der Ausbruch des 2.
Weltkrieges im Jahr 1939 führte dann zu einem baldigen Ende aller
sportlichen Aktivitäten. Der gesamte Spielbetrieb mußte im
Jahr 1941 eingestellt werde. Zahlreiche Sportler kehrten nicht aus dem
Krieg zurück.
Trotz dieses wohl gravierendsten Einschnitts in der Vereinsgeschichte
blieb die Sportbegeisterung in unserem Dorf ungebrochen. Bereits im
Jahr 1945 - am 04.03.1945 hatten die Amerikaner Euskirchen eingenommen
- wurden wieder erste Fußballspiele ausgetragen. Einer der ersten
Gegner war eine Soldatenmannschaft der englischen Besatzungsmacht,
gegen die Schwarz-Weiss Stotzheim im Erlenhof antrat. Die
Wiederaufnahme des Spielbetriebs wurde durch den Umstand erschwert,
dass der Sportplatz an der Erft mit Lohe belegt war. Die Heimspiele
mußten deshalb in Roitzheim ausgetragen werden. Als im Jahre 1946
die Lohe abbrannte, dauerte es trotzdem noch bis 1948, bis der
Spielbetrieb an der Erft wieder freigegeben werden konnte.
Ein Höhepunkt im Vereinsleben der Nachkriegsjahre war das
30-jährige Stiftungsfest am 03. und 04.06.1950. Damals wurde in
feierlichem Rahmen die Vereinsstandarte enthüllt und eingeweiht.
Die damals noch lebenden Vereinsgründer wurden zu Ehrenmitgliedern
ernannt.
Es waren:
Jakob Bürger, Josef Dünker, Martin Habeth, Paul Höller, Jean Metternich, Johann Metz,
Heinrich Regh, Anton Rosell, Peter Schäfer, Josef Schmitz, Peter Paul Schmitz,
Fritz Scholl, Josef Spilles, Matthias Tharr, Apollo Zweiffel und Wilhelm Zweiffel.
Im
Jahre 1953 wurde die Sportanlage an der Erft für Bauzwecke
benötigt. Dier Spielbetrieb wurde auf den neuen Sportplatz am
Kuchenheimer Weg verlegt. Am 08.08.1965 wurde schließlich der
heutige Sportplatz an der Herkulesstraße eingeweiht.
Im
Jahre 1970 konnte der Verein bereits auf eine 50-jährige Tradition
zurückblicken. Die Vereinsfeiern wurden am 18. und 19.07.1970 in
würdigem Rahmen abgehalten. Damals konnte man noch 7
Vereinsgründer die ihnen gebührende Ehre erweisen.
Inzwischen, im Jahre 1995, waren wiederum 25 Jahre vergangen. Die
Bedingungen für die sportlichen Aktivitäten wurden weiter
verbessert. Im Jahre 1973 wurde das Umkleidegebäude errichtet. Im
Jahre 1975 kam die Flutlichtanlage hinzu. Die sportlichen Leistungen
unterlagen einem ständigen Auf und Ab. Der ersten Mannschaft
gelang es mehrfach, in die Bezirksklasse aufzusteigen, so im Jahre
1974, im Jahre 1985 und im Jahre 1992. Mehrfach mußte man auch
den Abstieg in die 1. Kreisklasse hinnehmen, so in den Jahren 1983,
1990 und 1994. Den größten Erfolg erzielte man im Jahr 1987,
als die 1. Mannschafr in die Landesliga aufstieg.
Der Erfolg hat leider auch seine Schattenseiten. Vieleicht als
Ausfluß unserer Wohlstands- gesellschaft kommt es immer
häufiger vor, dass Vereine die Leistungen ihrer Sportler durch
finanzielle Zuwendungen oder Zusagen sonstiger Art anzuspornen
versuchen. Es kommt auch zu Abwerbungen, die besten Spieler werden von
den kapitalkräftigsten Vereinen quasi "angekauft".
Das was im Profifußball allgemein bekannt ist, macht auch vor
kleinen Amateurvereinen nicht halt. Der Aufstieg von Schwarz-Weiss
Stotzheim in die Landesliga machte die Spieler auch für andere
Vereine interessant. Der damalige Vorstand mußte machtlos mit
ansehen, dass in kurzer Zeit fast 25 Fußballer den Verein
verließen und sich bei anderen Vereinen anmeldeten. Der Abstieg
in die Bezirksklasse 1989 und der Abstieg in die 1. Kreisklasse im
Jahre 1990 waren die zwangsläufige Folge.
Nicht zuletzt die auch bei Schwarz-Weiss Stotzheim in der
Fußballabteilung steigenden Kosten waren dann Anlaß
für einen schmerzlichen Verlust des Vereins. Die gesamte
Leichtathletikabteilung des Vereins trat im Jahre 1988 aus dem Verein
aus und gründete unter der Bezeichnung LAGV einen eigenen Verein,
der im Leichtathletikbereich sehr erfolgreich tätig ist.
Schwarz-Weiss Stotzheim ist seither ein reiner Fußballverein, dem
nur noch die Damengymnastikabteilung als alternative Sportart die Treue
gehalten hat.
Die Probleme sind bis zum Jahr 1995 geblieben. Der Verein mußte
weiter mit Abwerbungen durch andere Vereine leben. Um diesen
finanziellen Machenschaften entgegenzuwirken hatte der Vorstand den
Grundsatzbeschluss gefasst, dass kein Fußballer vom Verein
für seinen Sport bezahlt wird. Wer Bezahlung erwartet, soll sich
einen anderen Verein suchen. Schwarz-Weiss Stotzheim will seinen
Spielern statt dessen möglichst optimale Bedingungen bieten, gute
Ausstattung, einen guten Trainer, Zuschüsse in die
Mannschaftskasse für Trainingslager, Ausflüge und sonstige
Aktivitäten zur Förderung der Kameradschaft und des
Teamgeistes. Wer für Schwarz-Weiss Stotzheim Fußball spielt,
soll dies aus Freude am Sport, aus Verbundenheit zum Verein und zu
unserem Heimatdorf, aus Kameradschaft zu seinen Mitspielern tun, nicht
wegen persönlicher Vorteile, die er aus der Vereinskasse erwartet.
Die Situationsbeschreibung des Vereins durch den Vorstand
anlässlich der Erstellung der Chronik im Jahre 1995 zum
75-jährigen Vereinsjubiläum von Schwarz-Weiss Stotzheim gab
Anlass, positiv nach vorne zu schauen. Leider gelang es der 1.
Mannschaft nicht, an die Erfolge der Vergangenheit anzuknüpfen und
erneut aufzusteigen. Anders verhielt es sich im Jugendbereich. Die
Fußballer der Jahrgänge 1978 und 1979 scheiterten mehrfach
nur knapp am Aufstieg in die Bezirksliga. Im Jahr 1997 war es dann
soweit. Zum ersten Mal in der Vereinsgeschichte konnte eine
Jugendmannschaft die Spielberechtigung für die Bezirksliga
erreichen. Die Spieler der Jahrgänge 1981/82 schafften in der
Verlängerung des entscheidenden Spieles den Aufstieg. Der Stamm
dieser Mannschaft ist bisher zusammen geblieben und im Seniorenbereich
spielberechtigt. Diese Mannschaft stellt sich auch im Internet vor.
Im Jugendbereich werden ab 2001 neue Wege beschritten. Angesichts der
Konkurrenz mit anderen Sportarten und wachsender Freizeitgestaltung der
Jugend wird es immer schwieriger, für alle Jugendbereiche
genügend Spieler zu finden. Mit der Gründung des Vereins ERFT
01 versuchen die Vereine Stotzheim, Billig und Roitzheim sowie
benachbarte Vororte dieses Problem zu bewältigen. Allen
fußballinteressierten Jugendlichen in den Altersstufen D-A-Jugend
soll bei diesem Verein die Möglichkeit erhalten bleiben, die
Mannschaftssportart Fußball weiterhin ausüben zu
können.
Die heutige Situation des Vereins läßt uns hoffnungsvoll in
die Zukunft blicken.
Die Begeisterung für den Fußballsport
ist ungebrochen.
Die 1. Mannschaft schaffte nach dem Aufsteig 2005 in die Bezirksliga im
Jahr 2011 nach 1987 erneut den Ausfstieg in die Landesliga und steht
nun vor einer großen Herausforderung .
Die 2. Mannschaft schaffte
2010 Wiederaufstieg in die Kreisliga B und bildet damit ein wichtiges Fundament unserer Ersten Mannschaft.
Die Alten Herren, sowie die
Gymnastikabteilung, mit ihren Sparten sind ebenfalls sehr erfolgreich
und aktiv.
Eine neue Heimat für Schwarz-Weiss Stotzheim wurde nach jahrelanger
Suche mit vielen Hindernissen und Hürden auch gefunden. Seit
dem Jahr 2008 kehrt der SWS fast an die alte Wirkungsstätte an der
Erft zurück, die dem Verein vor dem Sportplatzbau an der
Herkulesstraße als Heimat diente. Finanziert wurde die neue
Sportanlage durch den Verkauf der Grundstücke an der
Herkulesstraße. Leider entspricht die neue Anlage zunächst nicht den
ursprünglichen Planungen, da auch der SWS nicht von
den Sparmaßnahmen der Kommune ausgenommen ist.
Ausschließlich durch den unermüdlichen Einsatz vieler
ehrenamtlicher Arbeiter und die großzügige Finanzierung
durch Freunde des SW Stotzheim ist der Verein heute in der Lage, das
Mammutprojekt Bau des Vereinsheim, Kabinen, Sanitäre Anlagen,
sowie einer Rasensportanlage nach und nach zu stemmen.
Das Vereinsheim konnte bereits durch die
tatkräftige
Mithilfe von Mitgliedern, Freunden und Gönnern im Jahr 2010
pünktlich zum 90 Jährigen Vereinsjubiläum eröffnet
werden und steht neben Vereinsfeierlichkeiten nun auch für private
Feierlichkeiten zur Verfügung.
Zum Schluß wollen wir nicht vergessen, dass unser Verein,
Schwarz-Weiss Stotzheim 1920 e.V. nur durch die Bereitschaft vieler
Sportsfreunde bestehen kann, in uneigennützigem Einsatz einen Teil
ihrer Freizeit für den Verein und dessen Aktivitäten zu
opfern. Sie leisten damit einen wichtigen Beitrag für den Sport,
für unser Dorf und für die Lebensqualität seiner
Bürger. Es bleibt zu hoffen, dass sich immer genügend
sportbegeisterte finden, die dazu bereit sind. Um die Zukunft brauchen
wir uns dann keine Sorgen zu machen.
Historische Bilder des SW-Stotzheim aus privaten Archiven !
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